Samstag, 4. Juni 2016

Ich will nie wieder weinen - nicht wegen ihm.

Depressionen. Panikattacken und Anpassungsstörungen. Über 4 Jahre Therapie. Keine Besserung. Deswegen habe ich diesen Blog gegründet. Um aufzuräumen. Um reinen Tisch zu machen. Um zu leben. Endlich. Für mich.
& ich habe über vieles geschrieben - über vieles nachgedacht - soviele Stunden investiert - vieles offenbart. Meine Diagnosen, Depressionen, posttraumatische Belastungsstörungen, Panikattacken, Anpassungsstörungen, meine Gefühle und Gedanken, den sexuellen Missbrauch - das alles. Aber über eine Sache habe ich noch nie ein Wort verloren. Ein Tabu - Thema für mich. Diese eine Sache - die meine Freunde zwar wissen - doch über die ich nie mit jemandem rede. Über die ich nie wirklich mit jemanden geredet habe. Weil ich es nicht kann - ich es nicht aushalte. Und ja, alleine der Gedanke an das was ich hier versuche zu tun lässt meine Augen brennen. Lässt mich weinen. Meine Hände verkrampfen sich. Doch ich schreibe weiter. Irgendwann muss halt alles mal raus.

Um ehrlich zu sein finde ich keinen Anfang. Ich muss ein wenig schmunzeln. Einfach weil mir doch schon so oft gesagt wurde, dass ich das hier ganz gut kann. Ganz gut schreiben kann. Ich immer die richtigen Worte finde. Mein kleines Talent. Doch wie sollte ich es schaffen schöne Worte zu finden - etwas das gut ist - etwas das man gerne liest. Und nun sitze ich hier - starre auf mein Notebook und finde keine Worte. Finde nichts und schreibe deswegen einfach drauf los.

Worum es geht? Um ein kleines Mädchen. Um ein kleines Mädchen das nichts wollte - nichts erwartet hat. Um ein kleines Mädchen das nichts weiter wollte als geliebt zu werden. Worum es geht? Es geht darum, dass ein Herz es vielleicht einfach nicht schaffen kann geheilt zu werden.
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Eine Frau liegt im Krankenhaus. 72 Stunden liegt sie in den Wehen. 1991. Ihr Mann ist nicht da. Er ist nicht für sie da. Hat es nicht geschafft. Den Grund hierfür kenne ich nicht. Sie bekommt ein Kind. Ein kleines Mädchen. & als sie da war - das Licht der Welt erblickt hat. Da kam er - ihr Vater. Er kam ins Krankenhaus. Betrachtete sie - die Babystation. Das kleine Mädchen, dass zwischen mehreren kleinen Jungen lag. Alles Baby´s - rein, bereit ihr Leben zu beginnen. Bereit dafür geliebt zu werden. Ein kleines Mädchen. & als sie da war - das Licht der Welt erblickt hat. Da kam er - ihr Vater. Er kam ins Krankenhaus. Betrachtete sie - die Babystation. "Der ist aber süß" & völlig geschockt sah die Frau zu ihrem Mann herüber. "Das ist deine Tochter" Stille kein Wort - einfach nur Stille. Er betrachtete sie. & für die folgenden Worte lege ich meine Hand nicht ins Feuer. Doch genau das ist es was er gesagt haben soll. Dieser Mann. Dieser Vater. "Wieso ist das denn kein Junge geworden"

3 Jahre später. 1994.. sie sind noch immer ein Paar. Aus Liebe? Wegen des Kindes? Keine Ahnung. Zwischen ihnen ein kleines Mädchen. Ob sie es ist die die beiden zusammen hällt? Wohl kaum. Denn der Mann - er ging. Wollte in die Welt - wollte etwas erreichen. Studieren - Ehre - Ruhm - wollte all dies - sah in die Augen seines Mädchens - und ging. Ging und kam nie wieder. Verschwand.

15 Jahre später. 2009..ein Brief. Das kleine Mädchen, dass gar nicht mehr so klein war. Einen Brief in der Hand. Den Absender gelesen und den Tränen nah. Weinend saß sie auf dem Bett. Zusammengekauert. Ohne den Inhalt zu kennen. Und sie weinte. zitterete. Ohne auch nur ein Wort gelesen zu haben. Die Angst zu groß - doch wovor? Angst vor der Wahrheit? Angst vor noch mehr Enttäuschung? Angst ...
Den Brief geöffnet - gelesen - fest umklammert - nah ans Herz gepresst. Gelesen wieder und wieder - nicht aus den Händen gegeben - nah ans Herz gepresst. Bis jedes Wort aufgesogen war. Um all dies nie mehr zu vergessen. & doch die Tränen verschwinden nicht. Was drin stand? Wunderschöne Worte, Versprechungen ein es tut mir Leid - doch die Tränen verschwinden nicht. Sie weint weiter - einfach aus Erfahrung. Weil sie die Lüge erkannte - jedes Wort in sich aufnahm & doch wusste, dass es nichts ändern würde.
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 Natürlich könnte ich all das jetzt ausschmücken - euch mehr Einzelheiten erzählen und und und aber nein das tue ich nicht - das brauche ich nicht - einfach weil ihr es ja doch nicht verstehen könntet - zum Glück - denn ich wünsche genau das niemandem. Niemandem wünsche ich diesen Schmerz. Diesen Urschmerz - worauf alles beruht. All die Unsicherheit, all die Komplexe, Ängste, all der Schmerz.

Ich kann es nicht beschreiben - doch alleine die Tatsache, dass ich für diesen Beitrag knapp 2 Wochen gebraucht habe - einfach aus Unfähigkeit all das in Worte zu fassen - spricht meiner Meinung nach Bände.. Ich kann es nicht beschreiben - und doch - ungefähr so. Es ist ein tiefer Schmerz.. ich denke es ist das schlimmste Gefühl, dass ich jeh kennen lernen musste. Ganz einfach weil ich komplett unfähig bin etwas dagegen zu unternehmen. Machtlos. Ich habe nicht die Reichweite um etwas daran zu ändern. Nicht die Macht. Keine Macht darüber die Entscheidungen meines Vaters zu beeinflussen. Keine Macht - keine Chance. Mein Vater will mich nicht - seine Tochter. Mir dies einzugestehen erfodert Kraft - es erschöpft mich. Die letzen Jahre haben geschlaucht - mich nach unten gedrückt immer und immer wieder. Rückblickend. Jeder Geburtstag, jedes Weihnachtsfest und jeder Vatertag hat Salz in die Wunde geschüttet. Literweise. & ohne es zu wollen muss ich schon wieder weinen - doch ich will es nicht - ich will nie wieder weinen - nicht wegen ihm. Denn genauso wie ich keine Macht über ihn habe - soll er auch keine über mich besitzen.

Aber über eine Sache habe ich noch nie ein Wort verloren. Diese eine Sache - die meine Freunde zwar wissen - doch über die ich nie mit jemandem rede. Über die ich nie wirklich mit jemanden geredet habe. Weil ich es nicht kann - ich es nicht aushalte. Und ja, alleine der Gedanke an das was ich hier versuche zu tun lässt meine Augen brennen. Lässt mich weinen. Meine Hände verkrampfen sich. Doch ich schreibe weiter. Irgendwann muss halt alles mal raus.

Ja, das hier ist es. Deswegen fällt es mir so schwer zu vertrauen - insbesondere Männern. Aber was soll ich sagen - wie soll man das vergessen? Wie sollte man es schaffen all das erlebte nicht zu verinnerlichen & ja ich weiß, dass ist unfair und falsch und dumm. Aber es ist in mir. Noch immer - nach all diesen Jahren. Ja, das hier ist es - der erste Mann, der mich hätte lieben sollen hat es nicht - tut es nicht & wird es wahrscheinlich nie. Und nein das ist nicht ok - und nein damit komme ich nicht zurecht - egal wie cool ich tue. Denn ja da habt ihr ihn meinen Wunden Punkt - heute mache ich mich mal angreifbar..

& wieso tue ich das?
Was erhoffe ich mir davon?
Hilfe? Mitleid?

NEIN!

Ich erhoffe mir nichts - nichts außer Frieden - Frieden mit mir selbst. Denn es ist nicht meine Schuld, nein, ein Baby - ein kleines Kind - eine 3-jährige Tochter hat beim letztem Abschied keine Schuld - kann nichts falsch gemacht haben - fordert nichts ein - nichts bis auf ein Herz voll Liebe. Ich will abschließen - meine Vergangenheit hinter mir lassen - es nicht mehr an mich heran lassen - dieser einen Sache nicht mehr die Macht über mich geben. Ihm keine Nacht über mich geben. Vielleicht liegt das ja am Alter - man wird reifer. Denn es ist nicht er der mich runterzieht - nein denn er ist nicht hier - war nie hier - hat mich nie aktiv nach unten gedrückt - ganz im Gegenteil - das war ich. Ich wollte nie aufgeben - wollte ihn ändern, die Situation - einfach alles. Ich wollte ihn ändern - doch heute da weiß ich, dass das nicht in meiner Macht liegt. Nicht als Mensch. Nichts als Tochter und nun nach all den Jahren weiß ich es endlich - nun sehe ich es endlich ein. Heute weiß ich, dass es ok ist. Heute weiß ich, dass es nicht meine Schuld ist. Ich muss mich nicht schlecht machen .. bin sicher nicht weniger wert - und brauche ihn nicht. Kann glücklich sein - auch ohne ihn. Ohne Vater.

& doch eins gebe ich zu - ich würde ihm gerne einmal in die Augen sehen - einmal - ihn anlächeln und sagen, dass ich ihn nun nicht mehr will - nicht an meiner Seite, nicht in meinem Leben.  Denn mein Leben geht weiter - hier ist noch lange nicht Schluss..

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