Sonntag, 5. Juni 2016

Ich mach mich selber krank

Hallo Frau König
Sie leiden an Depressionen.
Sie leiden an Panikattacken.
Sie leiden an Anpassungsstörungen.
Hier ihre Medikamente - die brauchen sie jetzt.

Nicht ganz so - & doch im Grunde war es so. Mir ging es so schlecht - so lange. Viele Stunden, Tage, Monate und ja sogar Jahre. Trotzdessen ich den Schein immer gewahrt habe. Immer gelacht habe - es zurückgehalten habe. Keiner sollte etwas sehen. Keiner hat etwas gesehen. Trotzdessen ging es mir immer schlecht. Jede Stunde. Jeden Tag, Jeden Monat und ja all diese Jahre.
All diese Jahre in denen ich nicht verstand was mit mir nicht stimmt. All diese Jahre in denen ich meine Kindheit verdrängt habe. Sie vergessen habe. In all dieser Zeit - wo ich all die Angst, Trauer, Unsicherheit und Wut nicht zuordnen konnte. Einfach weil mein Kopf es mich hatte vergessen lassen. Selbstschutz.

Wenn Menschen etwas nicht verstehen, etwas nicht nachvollziehen können - einfach weil sie es nicht spüren - es nicht erlebt haben / nie erleben mussten - dann geben sie diesen Dingen einen Namen. Geben ihnen einen Namen - um mitreden zu können. Vielleicht damit sie es verstehen können - vielleicht damit sie urteilen können und vielleicht wegen etwas ganz anderem.

Nicht ganz so wie oben beschrieben erging es mir. Etwas stimmte nicht mir. Das war mir bewusst. Das habe ich immer gewusst. Gespürt. & doch war es ein Schock. Auch nach all den Therapien, jeder Stunde - die Besuche bei der Selbsthilfegruppe - hätte ich nicht damit gerechnet. Hätte niemals gedacht, dass es so um micht steht. Das andere meine Situation so einschätzen.

Und rückblickend kann ich euch eins sagen - mit absoluter Sicherheit. Sie hatten unrecht!

Heute ist mir das klar - ich zweifle nicht an all ihren fachkundigen Worten - den Analysen, den Protokollen unzähliger Gesprächstherapien, den psychologischen Gutachten - aber ich zweifle daran, dass es so kommen musste. Ich zweifle daran.. und ich bin überzeugt davon, dass wenn es unausgesprochen gebleiben wäre.. heute alles anders wäre. Was ich damit meine? Hätte mir nie jemand gesagt wie es mir geht - wäre es mir nicht so ergangen. So schlecht. Ich hätte nicht jede freie Minute daran verschwendet über all das nachzudenken. Daran zu denken was alles verkehrt läuft. Was mit mir nicht stimmt. Denn eins kann ich mit Sicherheit sagen - all die Therapien und auch die Klinik haben mir nicht geholfen - die Klinik vielleicht, anders - aber im Grunde nicht. Es hat mir nichts gebracht - nichts als Schmerz und Kummer. Selbstzweifel und immer mehr Hass - Hass gegen mich selber. Denn mit jedem Gespräch verstand ich mich weniger. "Was denken sie wieso das so ist" & verdammt nochmal ich weiß es heute - es ist wegen euch. Wegen all diesen Menschen die mir sagen wollten was nicht ok ist. Wieso ich nicht ok bin - so wie ich bin. Wieso ich krank bin - wieso ich krank sein muss. Heute weiß ich - ich habe mich selber krank gemacht.

Denn ich selbst war all die Jahre mein größter Feind. Habe mir nach jedem Sonnenstrahl wieder selbst ein Bein gestellt - denn so wurde es mir gesagt - mir müsste es ja schlecht gehen. Mit etwas anderem habe ich nicht mehr gerechnet. Habe mich einfach damit abgefunden. Ich war immer mein Feind - all die Jahre - habe alles was mich im Spiegel ansah gehasst - zutiefst. Jedes Wort das aus meinem Mund kam - jede Tat - einfach alles. Also tat ich was man von mir erwartete ich schaufelte mir meine eigene Grube - drückte mich in sie hinein - und blieb liegen. Ich hab mir selbst Angst gemacht - mir immer wieder gesagt, dass ich liegen bleiben müsste - denn ich bin ja krank. Ich habe mich selbst krank gemacht - habe einfach auf das aufgebaut was Therapeuten mir sagten. & nein, all diese Menschen trifft keine Schuld - das weiß ich - denn ich selbst bin mein größter Feind. Ich selbst habe mir gesagt, dass es jetzt so sein muss... Doch anstatt jedesmal über die Vergangenheit und über das was ich nicht mehr ändern kann zu sprechen - hätten wir einmal ansprechen sollen was zählt - wie ich es schaffe zu gewinnen - gegen mich.

Denn darauf kommt es an. Vielleicht ist es nicht wichtig der Gewinner zu sein. Vielleicht ist es nicht wichtig mehr sonnige als bewölkte Tage zu erleben - aber mit sich selbst im reinen zu sein - als Basis um dieses Leben - DEIN LEBEN - zu lieben und zu schätzen ´darauf kommt es an. Das ist wichtig. 

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