Donnerstag, 19. Mai 2016

Hallo Real Life

Früh am Morgen. Der Wecker klingelt. Ich habe die Augen noch nicht einmal ganz auf - Wecker aus. Augen zu - Augen auf. Hallo Welt. Oder nein - Hallo Handy - guter Freund. Alltagsbegleiter, Langeweilevertreiber. Hallo Welt. Online sein. Erreichbar sein. Dabei sein. Zumindest am Smartphone. Hallo Welt. Online sein. 20 neue Nachrichten bei whats app. Von guten Freunde - doch keine Zeit vernünftig zu antworten - keine Zeit. Weg mit den Zwischenmenschlichen Kontakten. Hallo du feine Online - Welt. Hallo Instagram - Bilder liken von Menschen die ich nicht kenne. Ein Leben beobachten, dass ich nicht führe. Bedacht darauf mehr auf all jene Details zu achten als bei mir selbst. Kommentare bekommen von Menschen die ich nicht kenne, Likes, private Nachrichten - Freude, Glücksgefühle - nebenher eine neue Nachricht. whats app. eine Freundin - keine Zeit. Hallo du feine Online - Welt. Snapchat - hey Leute ich hab was zu erzählen. Kenne hier von knapp 500 Followern nur 20 Stück persönlich - & doch persönlich sind auch all diese Snaps. Was erzählen - was zu sagen haben. Hören was andere zu sagen haben. Mit dabei sein - bescheid wissen. Ein Freund ruft an - ich gehe nicht ran - keine Zeit. Du feine Online - Welt. In der jeder so anders sein will. In der sie alle so gleich sind. Gleiche Bilder - gleiches Licht - die gleiche Perspektive - identische Worte. & doch wollen sie alle anders sein. Du feine Online - Welt. In der nur eins der Wahrheit entspricht. Es geht nicht mehr um das was du bist - nur noch um das was du hast. The End.

Heute vor einer Woche hat es mir gereicht.
Ich habe mich verabschiedet.
Ciao Instagram. Tschüss Snapchat.

Wieso? Weil es mir rein gar nichts gebracht hat. & wieso das eigentlich nicht stimmt berichte ich später. Doch erstmal zum Kern des Ganzem. Instagram fing ganz harmlos an. Für mich - als Hobby. Ich habe es schon immer geliebt zu fotografieren - einfach um Dinge, Menschen und vor allem Momente festhalten zu können. Ich klammer mich gerne fest. Ein Hobby. Schon immer. Hach, ich kenn da jemanden der kann das bezeugen. Ein alter Freund. Von uns gab es 100derte Bilder. & das dieses Hobby mehr eine Sucht war erkennt man wohl daran, dass ich mehr mit diesen Bildern - sie bearbeiten und zu verbreiten - beschäftigt war als mit ihm selbst (haha) Ich klammer mich gerne fest. Instagram fing ganz harmlos an. Es war mir egal. Ein Bild hier. 2-3 Tools später. #hastagwahnsinn und Schwupps bekam man Likes von Menschen die man gar nicht kannte. Begeisterte Menschen die man nie begeistern wollte. Taucht ab. Hallo Online - Welt. Hallo ihr Internet Freunde. Schein Welt. Dort wo alle einander lieben, wo alle die Welt retten wollen, wo alle gesund leben, wo alle ehrlich und loyal sind, wo alle immer die Wahrheit sagen, wo alles so verdammt falsch ist. Zurück zum Wieso - wieso habe ich meinen Instagram Account gelöscht? Ich erzähle euch vom Auslöser - ganz einfach weil eine keine besseren Worte finde als diese Situation. Es war letztes Wochenende - ich war mit zwei Freundinnen verabredet. Verabredet. Zeit miteinander verbringen. Momente teilen. Erinnerungen schaffen. & ich kann es mit Worten gar nicht beschreiben. Finde nichts was ausdrücken könnte wie sehr es mich ankotzt. Wie sehr ich mich selbst ankotze. Ich war verabredet - mit Freundinnen - Menschen die ich in mein Herz geschlossen habe. Doch anstatt die Zeit mit ihnen wirklich voll und ganz zu genießen war mein Kopf woanders. Mein Kopf war bei meinem Handy. War auf Instagram - war auf Snapchat. Das Foto was wir gerade gemacht haben - wann poste ich das? Jetzt gleich? 2-3 hastags? ein #like4like und schon sind einem wieder mehrere hundert Likes sicher. Eigentlich könnten wir auch nochmal snappen.. der GeoButton hier ist so cool und sowieso muss man seine Follower ja auf dem laufendem halten. Ich war verabredet - mit Freundinnen - Menschen die ich in mein Herz geschlossen habe. Doch anstatt die Zeit mit ihnen wirklich voll und ganz zu genießen war mein Kopf woanders. Mein Kopf war bei meinem Handy. War auf Instagram - war auf Snapchat. & ich kann gar nicht oft genug sagen wiesehr ich mich dafür hasse.

Heute vor einer Woche hat es mir gereicht.
Ich habe mich verabschiedet.
Ciao Instagram. Tschüss Snapchat.

Ich könnte jetzt noch viele Worte aneinander reihen. Irgendetwas was schön klingt. Aber im Grunde war´s das. Das war der Grund. Weil diese Online - Welt mich ankotzt. Weil es mich ankotzt, dass ich ein Teil von ihr geworden bin. Weil ich Bilder ins Internet stelle um Menschen zu beeindrucken die ich überhaupt nicht kenne - die mich nicht kenne - denen ich egal bin - die mir egal sind. Weil ich kein Teil einer Welt sein will in der es darum geht was du hast - sei es nun die neuste Designer Tasche oder das perfekte Licht für ein Selfie - ich will, dass es darauf ankommt wer ich bin - nur darauf sollte es jedem von uns ankommen.

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