Sonntag, 27. März 2016

Was ich dir sagen mag

Ein kleines Mädchen so saß sie da. Zusammengekauert. In mitten einer Gruppe. Blickte aus dem Fenster. Ein sonniger Tag. Eigentlich ein Grund zum glücklich sein - so sollte man annehmen. So sollte es sein. 30°C sind es mittlerweile im Raum - ganz sicher. & das wo es doch gerade mal 10Uhr morgens ist. Formt die Lippen und bliest sich die Strähnen aus dem Gesicht. Ihr ist wärmer als all den Anderen. Unsicherheit. Scham. 30°C - ein Raum voller Menschen. Überall Blicke. strafend.verurteilend. Das klicken der Uhr ganz vorne im Raum machte es nur noch unerträglicher. Überall Blicke und all sie scheinen nur auf ihren Schultern zu lasten. Tick Tack. Die Jacke über die Schultern gelegt, den Bauch eingezogen - ja darauf bedacht den Blicken nichts zu schenken. Tick Tack. Keine Angriffsfläche zu geben. Sich bedeckt halten. Tick Tack. 30°C und die Arme sind bedeckt. Lieber leiden. Augen zu und durch. Als auch nur einen Blick mehr auf sich zu ziehen.
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Liebe Kristin aus dem Jahre 2000,

eigentlich bist du gerade erst 9 Jahre alt. Ein kleines Mädchen. Das Leben kommt dir im Moment sicher unglaublich verwirrend vor. Vollgestopft mit viel zu vielen Gedanken und das obwohl du nur einen haben solltest. Obwohl du dich nur mit einer Sache beschäftigen solltest - ein Kind zu sein. Ich weiß du bist verwirrt und verstehst das alles nicht. Ich weiß all das ist schwer. Ein neuer Wohnort - all deine Freunde - deine Familie so weit weg von dir. Du ganz alleine in dieser neuen Stadt. Kleinstadtleben. Das alles ist schwer. Du bist noch ein Kind. & doch kannst du keins sein. Diese Chance wurde dir genommen - wurde dir genommen als du angefasst wurdest - berührt - und ja all das ist falsch. Ich weiß das du das weißt. & ich weiß du hast Angst. Versteht all das nicht. Kennst das nicht. Wolltest doch nur eine Vaterfigur - wolltest geliebt werden. Nähe. Wärme. eine Familie. Doch von all dem hast du nichts bekommen. Stattdessen schenkte das Leben dir Angst, Furcht. & immer wenn Mama sagt, dass sie einkaufen fährt betest du, dass sie dich mitnimmt. Doch du bleibst zuhause. Nicht allein. & oh Gott du bist so stark. Hälst soviel aus. Lässt alles über dich ergehen. Hällst den Mund - und ja heute weiß ich, dass das falsch ist. Aber damals als ich noch du war - da war halt alles anders. Damals - als ich du war - war ich allein. Ich weiß, dass du denkst, dass niemand dich verstehen würde - dich und deine vielen Fragen. & ich weiß du fühlst dich wertlos. Denkst niemand könnte dich jeh lieben - doch du irrst dich. Du wirst geliebt werden - wirst wieder enttäuscht werden - doch du wirst lieben - du wirst leben. & ich weiß du fühlst dich wertlos. Doch glaub mir das liegt nicht an dir. Es liegt an der Art wie die "Großen" mit dir sprechen. Wie sie alles besser wissen und dir nicht einmal die Chance geben auszusprechen was  sie alles falsch machen. Neuer Wohnort. Kleinstadtleben. Vorstadthölle. Ich bin so stolz auf dich.

Liebe Kristin aus dem Jahre 2003,

du bist älter geworden, reifer. Irgendwie musstest du schon immer etwas reifer sein als all die Anderen. Das Kind sein wurde dir teils genommen. Durch die Strenge zu dir selbst hast du sie dir selbst genommen. Wurdest streng zu dir selbst - und doch hast du es nie geschafft so hart zu werden wie du wolltest. Hast deinen weichen Kern behalten. Immer das gute in all Ihnen gesehen. & ich weiß du verstehst es noch immer nicht - nimmst es einfach so hin. Es ist Alltag geworden - du wehrst dich nicht dagegen - & doch hoffst du jeden Tag aufs neue, dass jemand kommt. Dich heraus reißt aus all diesem scheiß. Dir eine Backpfeife verpasst - einmal so richtig. Dich rüttelt und schüttelt - dich anschreit und dir klar macht, dass du dich endlich wehren musst. Doch dazu kam es nicht, ich weiß. Du hast da diese Mauer. Stein auf Stein - Lüge auf Lüge - fein säuberlich erbaut. Nicht weil du eine Lügnerin bist - keine Sorge ich verurteile dich nicht. Das ist deine Mauer - dein Schutzschild - ich weiß, dass du denkst das im Moment nichts auf der Welt wichtiger ist als dein Selbstschutz - ich denke damit hast du recht. Ich denke, dass du all das nur so aushalten kannst. & doch würde ih dir heute zur Wahrheit raten. Aber ich weiß - es geht nicht - noch nicht. Nein, einfach nur, weil du nicht im Stande bist die Wahrheit zu sagen. Den Mut dazu nicht aufbringst. Einfach weil du ihn im Moment noch nicht hast. Aber ich verspreche dir * du wirst den Mut finden * wirst es aussprechen * wirst nicht als Opfer aus dieser Situation treten. Es wird dein Leben sein - & du wirst Mut haben - ihn beweisen - es allen beweisen.

Liebe Kristin aus dem Jahre 2009,

gerade stehst du in deinem Jugendzimmer - packst deine Kisten und bist den Tränen nahe. Gerade einmal 18 Jahre alt. Glaub mir was du gerade tust, ganz egal wie schmerzlich es sich anfühlen mag ist die einzigst richtige Entscheidung. Es wird die beste Entscheidung deines Lebens sein, Du bist traurig und würend und hast das Gefühl des totalen Scheiterns auf allen Ebenen. ( Die 10, Klasse versaut, die erste große Liebe verloren, und von Familie kann noch immer keine Rede sein. ) Aber ich verspreche dir - du irrst dich. Es war nicht deine Schuld. Du bist erst 18 - praktisch noch ein Kind - auch wenn du dich nie wirklich so fühlen durftest. Du bist weder frech noch unerziehbar nein - & ich weiß sie redet dir das ein. & ich weiß wie sehr du dich nach Liebe und Anerkennung sehnst - doch egal was du tun wirst - egal wie sehr du es versuchst. Du wirst in diesem Spiel keinen Punkt mehr bekommen. Wirst die Nase nicht vorne haben. & nein ich sage das nicht, weil ich aufgegeben habe. Ich sage das, weil ich es eingesehen habe. Eingesehen, dass niemand auf der Welt das Recht hat dich klein zu reden. Dir ein schlechtes Gefühl zu geben. Niemand! Auch nicht die eigene Mutter. Auch nicht der eigne Vater. Niemand.

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Liebste Kristin,

dass Wichtigste was ich dir sagen mag. Bleib immer du selbst. Bleib immer immer du. Lass dir von all diesen Menschen nichts sagen. & auch wenn du nie die Gelegenheit hattest wirklich ein Kind zu sein - so behalte diesen Unsinn und all deine Träume für immer in deinem Herzen.



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