Sonntag, 21. Februar 2016

Mein erstes mal.

Ich saß auf diesem Stuhl. Das Licht war angenehm. Zu angenehem. Alles hier erinnerte mich daran, dass etwas mit mir nicht stimmte. Falsch. Nicht richtig. Alles hier war darauf bedacht ruhig zu wirken. Die Uhr an der Wand tickte im Takt. harmonisch. & auf genau das machte mich agressiv. Ich wollte nicht ruhig sein. Innere Unruhe. Ich wollte wissen was los ist - mit mir. Zweifel. Angst. Vor mir - ein Thresen. Zwei Frauen mittleren Alters sahen ab und an zu mir auf. Lächelten. Wieso? Hatten sie Mitleid? - Ich saß auf diesem Stuhl - es stand mir bevor. Keine Chance mehr all dem zu entkommen. Die Tür einfach zu weit entfernt. Eine Tür ging auf. Die Luft blieb mir weg. Frau ... sie sind die nächste. Mein erstes mal - bei der Therapie.



Ich betrete den Raum. Ich zuerst. Sofort hasse ich es. Wieso muss ich vorgehen? Wieso steht sie hinter mir? Volle Angriffsfläche. Mein Herz schlägt & auch hier an der Wand wieder eine dieser Uhren. Tick Tack. Sie deutet auf einen Stuhl. Ich setze mich und stelle fest, dass es viel zu warm ist. stickig. Sie sieht mich an und fragt ob sie das Fenster öffnen soll. Was soll das? Bin ich so durchschaubar. Ich blicke zum Boden. Will sie nicht mehr ansehen. Will hier raus - doch die Tür ist zu. Atme tief ein. Die Luft wird besser. Tick Tack. Atme aus und hebe meinen Blick. Eigentlich sieht sie ja ganz nett aus. Keine Strenge im Gesicht. Ein leichtes Lächeln - nichts wirkt übertrieben. Sie fragt mich wieso ich hiersei. & ich beginne zu erzählen. Ab und zu stocke ich. Mein Mund wird trocken. Woher kommt dieser Redefluss? Wie kann das sein? Tick Tack. Mein Kopf schlatet sich aus. Ich werde locker. Erzähle, berichte, weine ab und an. Sie erinnert mich, dass ich nur sagen soll was ich auch möchte. Es geht hier um mich. Mein Tempo. Mein Herz schlägt - langsam bedacht & ab und wann rennt es. Zusammen mit den Wörtern die aus meinem Mund fließen - um die Wette. Wer ist schneller. Sie hört zu. Tick Tack. Nickt. Blickt erschrocken auf. Ja, dass ist meine Geschichte. Sie schreibt. Lächelt. Mitfühlend. Kann sie mich wirklich verstehen? Tick Tack - Frau ... die Stunde ist um. Wir sehen uns dann übermorgen.

Ein kleines Hallo hier so zwischendrin.
Ich mag dir heute was erzählen. Ja, ich weiß das hast du schon gemerkt.Ich erzähle dir von meinem ersten Mal. Das erste mal beim Therapeuten. Meine Erfahrungen - für dich. Um dir die Angst zu nehmen. Dir den ein oder anderen Tipp dazulassen.

Psychotherapie - das soll helfen, heilen. & ich sage es dir gleich. Ich will fair sein. Von Anfang an. Teile meine Gedanken mit dir. Ich denke kein Therapeut hier oder irgendwo anders wird dir wirklich helfen können. Grundliegend. Ich hoffe du verstehst was ich meine - ich will dir keine Hoffnung nehmen. Doch es ist nicht der Therapeut - er bewirkt nichts - er ist nur ein Mensch - hört dir zu. Nickt - lächelt und schreibt dann und wann etwas auf. Aber heilen und ja es tut mir Leid dir das sagen zu müssen - wird er dich nicht.
Diese Macht hat er nicht - hatte er bei mir nicht. Niemals. & doch. Gab mir diese Zeit soviel Kraft. Erzählte alles. all meine Misserfolge. All meine Träume - meine Ziele. All jenes was raus musste - was ich mir vor Augen führen musste.& ja das war hart. Es war als ob ich einen Traum hat - nie zuvor konnte ich so frei reden. Aber wieso auch nicht. Dafür war sie da. Ja genau sie, eine Frau - da ein Mann nie in Frage kam. Diese Stunde 3x mal die Woche brachte Struktur in meinen Alltag. Sie gaben mir einen Grund aufzustehen. Nicht den ganzen Tag im Bett zu liegen. Raus - sich anziehen - rausgehen - Bahn fahren - noch ein Stück zu Fuß. Aussteigen und reden. All die Wörter, all die Tränen rauslassen. Und oh mein Gott wie tat das gut. Als würde sie die Last die auf meinen Schultern lag erleichtern - sie mit mir zusammen tragen.

Das Wichtigste. 3 x mal die Woche für 1,5 Stunden - das gab mir Sicherheit - SIE gab mir Sicherheit. Erkundigte sich stets wie es läuft - wollte immer up to date sein - und nach jeder Sitzung fragte sie was ich heute noch tat. Und glaubt mir sie hätte nicht fragen müssen - es hätte ihr egal sein können. Ich traf andere Therapeuten denen es egal war. Aber sie war nicht so - nein. Sie riet mir jedesmal nicht nachhause zu gehen - nicht ins Bett. Raus an die Luft - mein Leben leben, mich mit Freunden treffen. Herauszutreten aus der grauen Wolke die mich umgibt. & das tat ich.

Psychotherapie - das soll helfen, heilen. & ich sage es dir gleich. Ich will fair sein. Von Anfang an. Teile meine Gedanken mit dir. Ich denke kein Therapeut hier oder irgendwo anders wird dir wirklich helfen können. Grundliegend. Ich hoffe du verstehst was ich meine - ich will dir keine Hoffnung nehmen. Doch es ist nicht der Therapeut - er bewirkt nichts - er ist nur ein Mensch - hört dir zu. Nickt - lächelt und schreibt dann und wann etwas auf. Aber heilen und ja es tut mir Leid dir das sagen zu müssen - wird er dich nicht. Doch hier und jetzt zum Schluss dieses Textes will ich dir noch etwas sagen. Die ehrlichsten Worte die du jeh von mir hören wirst. Denn auch wenn ein Therapeut und mag er noch so gut sein dir niemals wirklich helfen kann - so gibt es doch eine Person die das kann. Eine Person die die Wolke wegschieben kann - sich vor ihr aufbauen kann. Stärke beweisen. Eine Person die es schafft all jenes zu überwinden. Diese Person..

.. bist du.

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