Donnerstag, 11. Februar 2016

das Leben der Anderen / ein Brief an dich

Auf dem Spielplatz, im Kindergarten, während der Grundschule, Oberstufe, Ausbildung, unter Freunden, unter Feinden, selbst in der eignen Familie, im Berufsleben. Hinter dem Rücken oder halt mitten ins Gesicht. Es beginnt eines Tages & scheint nie zu enden. M o b b i n g ! 


Mobbing oder Mobben steht im engeren Sinn für „Psychoterror am Arbeitsplatz mit dem Ziel, Betroffene aus dem Betrieb hinauszuekeln.“[1] Im weiteren Sinn bedeutet Mobbing, andere Menschen, in der Regel ständig bzw. wiederholt und regelmäßig, zuschikanieren, zu quälen und seelisch zu verletzen, Quelle: Wikipedia.de
Dabei fragt man sich wo fängt Mobbing an / wo hört es auf / hört es auf? Doch darum soll es in diesem Beitrag heute gar nicht gehen. Es soll eher um das hier gehen. Mein Weg - vom Mobber zum Gemobbten.

Ja, ein Mobber das war ich. Früher ca. von meinem 12-17. Lebensjahr dann immer mal wieder ab und zu. Inzwischen so würde ich behaupten, nie! Dabei war ich anfangs keiner dieser aktiven Mobber. Ich habe niemanden direkt beleidigt, geschlagen oder auf einer anderen Weise verletzt. Ich war einer dieser feigen Mobber. Ich habe mitgelacht - wenn jemand geärgert wurde. Habe geschmunzelt - wenn jemand beleidigt wurde und am aller schlimmsten - ich habe weggesehen. Immer und immer wieder. Aus Faulheit? Aus Angst? Um dazu zu gehören? Unsicherheit. Ich kann es mir um ehrlich zu sein bis heute nicht richtig erklären. & doch auch wenn es wie eine dieser typischen Ausreden klingt und sehr egoistisch ist - ich denke ich hatte einfach Angst. Angst mich demnächst neben einem dieser "Looser" wiederzufinden. Geärgert. Ausgeschlossen. Ungeliebt. Das wollte ich nicht sein & ich denke, dass das auch ok war. Nicht ok war, dass es mir egal war, dass jemand so leben sollte. Das all das falsch war -  war mir vielleicht irgendwo ganz tief in mir drin bewusst. In einer Ecke. Vergraben. Dort - wo ich es nicht sehen konnte. Nach hinten gedränt. Überspielt. Ein wenig rosa rote Brille. Das alles konnte doch nicht richtig sein. Mitgelacht habe ich trotzdem. Eines der erschreckensten Beispiele die ich aus meiner Schulzeit nennen kann wäre folgendes:
In der Pause - ich weiß nicht mehr in welchem Jahrgang wir waren - wurde ein Junge aus meiner Klasse ( er war der der immer gemobbt wurde - von allen & das obwohl er nie jemanden einen Grund gegeben hatte ) in einen Schrank gesperrt - einfach so - zum Spaß - minutenlang - Finsternis - Eingesperrt. & ich bin ehrlich wenn ich sage, dass ich Tränen in den Augen habe wenn ich an diesen Moment zurück denke. Wegen ihm - wegen mir - wegen all den Menschen in diesen Raum die nichts getan haben außer zuzusehen und zu lachen. 
& wenn ich jetzt darüber nachenke , so im nachhinein dann wird es mir ein wenig klar. All die kleinen Sticheleien / das Schmunzeln /  das Mitlachen / das Wegsehen - ich hatte es verdient - denn ich war nicht besser. Nein, vielleicht war ich sogar die Schlimmste von allen einfach weil ich alles von mir wies. Ich hatte damals keinerlei Schuldgefühle oder sonst etwas.Keine Reue - nichts. Ich habe mich nicht schuldig gefühlt. Dachte ich hätte mit all dem halt einfach nichts zu tun.. was hätte ich schon tun können. Ganz allein. Es war ja nicht meine Schuld, dass es meinem Mitschüler so schlecht ging. Er hätte sich ja auch selbst helfen können und sowieso war er doch einfach selbst schuld.. Papalapp vertstehst du was ich meine? Ich war die Schlimmste von allen die Schlimmste weil ich mir noch nicht einmal eingestehen konnte das ich mit mobbe.. heute weiß ich es.. heute tut es mir leid.. und heute verdammt nochmal ist es zu spät. Ein Leben - in die Enge gedrückt. gepeinigt. geschlagen. beleidigt sogar in einen Schrank gesperrt. Dunkelheit und Enge. Erdrückt werden. Ich werde es ewig vor Augen haben - ich werde es nie vergessen - will es nie vergessen mir vor Augen halten wie ich nie mehr sein will - nie. Augen auf.& jetzt willst du es wissen oder? Was hatte ich denn nun verdient?

Vielleicht nicht alles. Stichelein. Lästerein. Eine Backpfeife. Cyberattacken. Schiefe Blicke. Beklaut. Telefonterror. Verläugnet. Gerüchte. M o b b i n g  Ich bin mir nicht mehr sicher wie es dazu kam.. es fing damit an, dass meine Mama gesehen wurde wie sie in der Öffentlichkeit eine andere Frau küsste. Das weiß ich noch ohja als wäre es gestern gewesen - ich kam zur Schule, zu meinen Freunden und keiner von ihnen redete mehr mit mir - keiner und weswegen? Weil ich aufeinmal anders war.. und dabei war es nichtmal ich - sondern meine mama - ich wurde bestraft weil sie liebte - weil sie lebte.. Wurde selbst als Lesbe beschimpft und verstehe es bis heute nicht. Eine neue Welt. Vom Mobber zum Gemobbten. Angst. Ungewissheit. Einsamkeit. Das Leben der Anderen. Ich weiß noch genau wie ich zuhause saß allein in meinem Zimmer. Zusammengekauert auf meinem Bett. Ich schloss die Augen und betete und bettelte und flehte, dass mir jemand zur Hilfe kommen soll. Bitte. Ich will die Hoffnung doch nicht verlieren. Wieso denn ich? Womit habe ich das verdient? Wieso hassen mich alle? Wieso / Weshalb / Warum? Du siehst worauf ich hinaus will? Ich wollte Hilfe.. ich sehnte mich nach jemanden der mir beistand. Doch es kam niemand - genauso wie niemand dem Jungen aus dem Schrank half. & wie konnte ich mir einbilden, dass ich diese Hilfe verdienen würde? Ein Leben unter den Anderen - ganz plötzlich - nicht für immer aber immerhin für den Rest meiner Schullaufbahn. Ich war nun einer von "Denen" .. keines Blickes gewürdigt & zumindest an manchn Tagen wenn ihnen nichts mehr einfiel. Ungeliebt. Allein. & weil ich weiß wie es ist - diese zwei Welten - möchte ich dir etwas sagen.

Lieber Mobber,

wie geht es dir? Wie war dein Tag? Was hast du heute erreicht? Morgens vor dem Spiegel - Pläne geschmiedet - was hast du erwartet? Was sollte heute passieren? Hast du Lust ein Spiel zu spielen? Mit einem dieser Opfer? Wer soll es denn heute sein? Aufjedenfall jemand der schwächer ist - schwächer als du - denn DU willst dich am Ende des Tages besser fühlen / einen Sieg erringen. Der Sieger sein. Doch ist dir eigentlich bewusst, dass der Andere dieses Spiel nicht freiwillig mitspielt? Ist dir bewusst, dass der Andere all das hier nicht verdient hat? Ist dir bewusst, dass es Andere gab - für die dieses Spiel das letzte war was sie jeh spielten. Gespielt - in jungen Jahren. Leben beenden - bevor Leben beginnen. Sag mir was soll dein Gegenüber tun? Sich wehren? Darf er das denn / oder wie lauten die Regeln? & ja ich weiß jetzt denkst du dir - was redet die Alte denn da? Habe ich ihn jemals angefasst? NEIN! Trägt er eine Narbe auf seinem Körper - zugefügt von mir? NEIN! - & ja damit hast du vielleicht recht. Von außen siehst du nichts. Doch mit all deiner Macht - all deiner Größe - hast du es da jeh geschafft hinter die Kulissen zu blicken? Die inneren Narben zu entdecken? Die Tränen die abends ins Kopfkissen fließen? Die Bauchschmerzen früh morgens im Bus? Nein? NEIN - wie solltest DU auch...Schalt deinen Kopf ein & überleg doch mal - was passiert denn wenn die Narben den gesamten Körper übersähen? Was passiert denn, wenn das Kopfkissen keine Tränen mehr auffängt? Was passiert denn, wenn die Bauchschmerzen unerträglich werden? WAS PASSIERT DENN WENN JEMAND KEINEN AUSWEG MEHR SIEHT - KEINEN AUßER DEN TOD? Wenn du heute Abend in den Spiegel blickst.. kurz bevor du zu Bett gehst. Willst du dann wirklich verantwortlich sein? Willst du Schuld sein für die Tränen einer Mutter? Für die Schmerzen einer ganzen Familie? Willst du heute etwas zu lachen haben auf die Kosten eines Anderen? Willst du ein Mobber sein? Oder willst du heute deinen Spaß? - das ist scheinbar die Hauptsache.

Lieber Gemobbter,

ich weiß du bist nicht dumm. Du weißt, dass all das falsch ist. Das sie kein Recht dazu haben dich so zu behandeln. Niemand hat das Recht dich zu schlagen. Niemand hat das Recht dir das Gefühl zu geben du wärst nicht wertvoll genug. Denn genau das bist du. Ich weiß - Mama und Papa sagen dir das auch immer wieder. Doch durch all das was du erlebst - Tag für Tag.  Angst.All die Schikane.. all diese Wörter, all diese Taten - verlieren ihre Worte an Bedeutung. Drum lass es dir von mir sagen - du bist wertvoll. & solange dir das bewusst ist - wird dich niemand brechen können. Kopf runter, es sind nur ein paar Jahre.Bauchschmerzen. Scham.  Man kann nunmal nichts ändern - NEIN vielleicht hast du diese Wörter schoneinmal gehört - dachtest sie wären wahr. Wolltest alles runterschlucken. Doch ich sage dir nein. Denn du bist wertvoll. & ich weiß du bist nicht dumm. Du weißt, dass all das falsch ist. Das sie kein Recht dazu haben dich so zu behandeln. Niemand hat das Recht dich zu schlagen. Niemand hat das Recht dir das Gefühl zu geben du wärst nicht wertvoll genug. Denn genau das bist du. Du bist es wert ! - du bist es wert, dass deine Eltern dir unter die Arme greifen. - du bist es wert, von deinen Lehrern ernstgenommen zu werden. - du bist es wert, all jenen klar zu machen, dass du genau das bist. ETWAS BESONDERES. Etwas Einzigartiges. Ein Mensch. Kopf runter, es sind nur ein paar Jahre.Bauchschmerzen. Scham.  Man kann nunmal nichts ändern - NEIN nein nein nein... Man sagt Angriff ist die beste Verteidigung - in diesem Fall ist das wahr. Du sollst nicht zurückschlagen - nicht so wie sie. & wenn du aufstehst, hoch mit dir, die Tränen aus dem Gesicht wischst. Umdrehen. deinen Peinigern gegenüber. Zeigt deine Reaktion - wer du bist.

Die Mobber entscheiden wer wie lange den Namen "Opfer" tragen darf. 
Die Gemobbten entscheiden wielange die Mobber dieses Spiel spielen dürfen.


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