Sonntag, 4. Oktober 2015

Theraphieform - Kunst

Gefühle. Was könnte da sein? So lange versteckt, verborgen, niemanden unter die Augen gekommen. Soll all das raus? Kann all das raus? Und wenn ja - dann sag mir wie! Wie soll ich all dem Farbe geben - wo doch alles so vermischt zu sein scheint. Wie soll ich all dem Raum geben?
Lohnt es sich alles auszusprechen? All das Leid, die Freude, die Furcht ... muss denn immer alles gesagt werden - oder ist Schweigen doch Gold?
Ein Pinsel, ein Stift - irgendetwas - um sich auszudrücken.
Papier, eine Leinwand, am Rande eines Zeitungsartikels. Ein wenig kritzeln.
Nicht alles was wunderschön ist muss ein Meisterwerk sein.
& kein Meisterwerk ist für kederman schön.
Kälte, Wärme, Akzente, nur noch ein Pinselstrich - und fehlt da nicht noch etwas Glitzer?
Klare Linien - alles durcheinander - ach was soll´s - ich mach es einfach so wie es mir gefällt.
Mein Pinsel, mein Werk, meine Farben. meine Gefühle.
Gefühle - ja die habe ich - alles aussprechen - nein das mag ich nicht.


Ehrlichkeit - ist für mich das A und O. Egal wo; Sei es im Job, der Familie oder unter Freunden.
Genauso wichtig ist mir die Ehrlichkeit zu meinen Lesern.
Wieso sollte ich euch erzählen wie sehr mir die Kunsttherapie geholfen hat?
Wenn es doch gar nicht so ist.

Ich habe schon immer ganz gerne gemalt.
Naja also zumindestens als ich klein war. Malen nach Zahlen und die schönen Kleider der Märchenprinzessinen in meinen Malbüchern. All das habe ich gerne lebendig werden lassen.
Mit dem Alter kristalisierte sich jedoch heraus, dass meine Talente woanders waren. Ich war/bin kein Künstler - zumindest nicht in diesem Bereich.

Trotzdem würde ich euch gerne etwas über meine Kunsttherapie erzählen.
Denn nur weil mir etwas nicht geholfen hat - muss es kein Quatsch sein.

Meine 1. "Kunststunde" hatte ich vor ca. 1em Jahr als ich stationär zur Rehabilitation in Bad Wildungen war. Irgendwann erzähle ich euch mal wie so eine Reha abläuft.
Jedenfalls saß ich da mit meiner Gruppe - und um ehrlich zu sein hatte ich von Anfang an keine Lust darauf zu zeichnen. Vielleicht waren diese negative Gedanken mein Fehler. & vielleicht hätte ich viel mitnehmen können - wäre ich nicht so voreingenommen gewesen.
Ich saß also da - der Therapeut kam rein und gab jedem von uns ein Mandala - ernsthaft?
Ernsthaft! Er sagte wir sollten nur Farben benutzen die uns glücklich machen würden.
Ein freudiges Bild - irgendetwas das man gerne ansehen würde.
& tada ich war genervt. Wieso mussten es denn fröhliche Farben sein?
Können nicht auch kalte Farben schön sein? Nett anzusehen? Was soll das denn - ich habe keine Lust.
Ich will auf mein Zimmer. & doch ich wollte keinen Ärger machen - also fing ich an.
Mein Bild - ich erinnere mich noch genau war ziemlich pink lastig. hihi
Nach 1,5h war die Anwendung vorbei. Zum Ende hin konnten wir nach und nach unsere Bilder mit dem Therapeuten besprechen. Irgendwie war mir ganz mulmig. Ich wollte nicht alleine mit einem Mann sein. Aber gut - Augen zu und durch.
Er fragte mich, was ich denn bei den einzelnen Farben gefühlt hätte.
Ich war völlig überfordert - ich hatte keine Ahnung was dieser Mann von mir wollte.
Was wollte er denn jetzt hören? Das ich an die Farbe des Posters in meinem Zimmer während des sexuellen Missbrauchs gedacht habe? - Nein, habe ich nicht.
Ich war überfordert - nein, ich war genervt. Ich konnte mir dieser Übung.
Mit allen folgenden Übungen der Kunsttherapie nichts anfangen.
Ich war unzufrieden. Ich wollte nichts schaffen was ich selbst nicht für schön hielt.


Ich ging 2xmal die Woche zur Kunsttherapie während meines Aufenthaltes. Also 10mal.
Ich brachte während dieser 1,5h nie ein Bild zu stande. Ich fühlte mich beobachtet und unter Druck gesetzt. Mein Therapeut erklärte mir, dass manche Menschen mit posttraumatischen Belastungsstörungen vergessen was sie erlebt haben. Dies ist eine Art Schutz.
Sie erinnern sich nicht mehr - doch manchmal da darf man nunmal nicht alles vergessen.
Das zeichnen von Landschaften, Tieren etc. soll dabei helfen können sich an bestimmte Farben,
Eindrücke und Bilder zurück erinnern zu können. Es kann zu einer Art gutem Flashback kommen.
Bei mir war das nicht so ABER ich habe auch niemals etwas vergessen.
Vielleicht weg geschoben - doch niemals habe ich etwas vergessen was mir widerfahren ist.
Ich kann mich an alles erinnern. An alle Gesichter, alle Farben, alle Gerüche.
& so manches mal ist das wie eine Strafe.

Das Bild welches ihr hier seht ist das einzigste, dass ich behalten habe.
Es entstand in der 4. oder 5. Woche meines Aufenthaltes. & auch wenn es nicht so aussieht ich habe sehr lange daran herumgewerkelt. Nicht in der Therapiestunde NEIN. Alleine - auf der Terasse ´in der Sonne - oder auf meinem Zimmer. Ich habe mir Zeit genommen und etwas geschaffen was mir gefällt. Keine konnte dieses Bild sehen geschweigedenn werten.
Ich habe durch kein Bild das ich jeh zu Papier gebracht habe etwas ausgelöst.
Und auch wenn ich lange dachte, dass all das Schwachsinn und Zeitverschwendung sei habe ich eins verstanden. Auch wenn etwas nicht die "normale" Wirkung zeigt - kann es doch eine andere auslösen. Ich habe nie einen Flashback bekommen, mich an etwas erinnert oder ähliches. & doch - zeichnen - so für mich ganz alleine hat mich beruhigt. Es hat mir ein wenig Raum zum atmen gegeben. Ich kam zur Ruhe - & Ruhe, innere Ruhe - sei dieser Moment noch so kurz - ist so kostbar.


Kommentare:

Celine hat gesagt…

ich liebe es auch total zu zeichnen, es hat echt eine total therapeutische wirkung auf einen :)!

Louisa hat gesagt…

Sehr schönes Bild! Ich entdecke momentan auch das zeichnen für mich. WUnderbar um den Kopf frei zu kriegen.
xo,
Louisa

www.theurbanslang.blogspot.com