Dienstag, 6. Dezember 2016

Ist das Weihnachten?

Der 6. Dezember. Die Kinder der Familie Schneider stehen für gewöhnlich
erst etwas später auf. Kurz vor Knapp könnte man sagen. Katzenwäsche und
ein Toast mehr Zeit bleibt vor der Schule nicht. Doch heute ist das anders.
Denn heute soll es etwas geben. Etwas im Stiefel/im Sneaker - wie auch immer.
Hauptsache es wird was geben. Augen auf - doch strahlen tuen sie nicht.
Raus aus den Federn und schnell in den Flur. Die Schuhe gefüllt.
Ein paar Nüsse - eine Mandarine - der Schoko Weihnachtsmann und ein Gutschein
- eine Fahrt auf dem Karusell - das Große, dass mitten auf dem
Weihnachtsmarkt steht - zusammen mit dem Versprechen ihn bereits dieses
Wochenende einzulösen. Doch - kein Strahlen in den Kinderaugen. Das wars?
Die Anderen bekommen doch aber richtige Geschenke - auch zum Nikolaus.
Enttäuschung. Missverständnis. Wut.
Ist das Weihnachten?

Der 15. Dezember. So langsam wird es knapp - noch immer schaffte es
Herr Meier - Vater einer 5köpfigen Familie nicht alle Einladungen für den 1. Feiertag
auszusprechen. Zeit hätte er doch aber genug gehabt? Wie kann das sein - fragt er sich.
Er geht in sich und stellt fest, dass Oma und Opa, Geschwister und
die besten Freunde die Einladung bereits vor 3 Wochen im Briefkasten hatte -
hübsch dekoriert und fein bedacht formuliert. Doch was ist mit Tante Gerda und
diesem einen Cousin den doch eh keiner leiden kann. Achja das ist ja Familie.
Obwohl wie sah Onkel Karsten noch gleich aus? Wie lang her ist das letzte Gespräch.
Das letzte lieb gemeinte Wort? Aber eine Einladung muss sein - alles andere wäre ja unhöflich. 
Ist das Weihnachten? 

Der 20. Dezember. Marie Hoffmann schuftet bereits den ganzen
Dezember. 2x mal die Woche nach der Schule und am Wochenende arbeitet
sie als Geschenkelfe. Geschenke einpacken hier. Glitzerschleifenband da.
Stress und Hektik und die Schule kommt zur kurz.
Alles für das Fest der Liebe. Alles für ein bisschen mehr Geld.
Um seinen Liebsten eine Freude machen zu können. Da reicht kein lieb gemeintes Wort.
Nichts selbst gemachtes. Keine hübsch verpackten Plätzchen und auch keine Zeit zu zweit.
Da muss was besonderes her. Für die Familie. Den ersten Freund. Und all die Freunde.
Da muss was großes her - anders geht das nicht. 
Ist das Weihnachten?

Der 23. Dezember - noch immer hat Frau Kämmer nicht alle Geschenke beisammen.
Abends sitzt sie in der Küche. Allein. Ihre kleine Tochter bereits im Bett. Träumeland.
Hach, träum du mein Schatz - solang die Realität noch fern ist. Alleinerziehend.
Rechnungen und vor ihr liegend ein Zettel. Ein Wunschzettel. Darauf nur ein Wunsch.
Das neue Barbie Traumschloss. Ein Blick ins Portmonaise und sie öffnet den letzten Wein.
Der war im Angebot - anders könnte das nicht sein. Die Konto App geöffnet - da muss doch noch was sein. Doch nein nichts / und so füllt sich das Glas von Minute zu Minute / Träne für Träne. 
Ist das Weihnachten? 


Stress und Hektik. Für jeden muss was ran. Stress und Hektik - an alle muss gedacht sein.
Auch für jene Mitglieder unseres Blutes muss was her - das ganze Jahr kein liebes Wort.
Doch ein Geschenk oh doch das muss her. Stress und Hektik.
Irgendetwas muss ich doch kaufen. Von Herzen nein - aus der Geldbörse ja.
Stress und Hektik - jedes Jahr. Zeit zu zweit? Keine Zeit!
Stress und Hektik - doch das muss so sein? Das war schon immer so! 
Größer und Teurer.
Denn Größer = Besser & Teurer = Bedeutender.

Doch.. ist das Weihnachten? 

Samstag, 3. Dezember 2016

(un)verzeihbar

Keiner von uns ist ohne Sünde. So etwas in der Art sagte ich erst heute
einer guten Freundin. Wir alle haben Dreck unter den Nägeln. Leichen im Keller.
& genug zum fegen vor der eigenen Haustür. Keiner von uns ist ohne Sünde.
Ich habe Sätze über meine Lippen gebracht, die ich bereue. Sehr.
Du hast etwas getan - wovon du wusstest, dass es einen Anderen verletzen würde.
Ihr habt Jemandem Unrecht getan. Wir alle haben gelogen, abgewägt und
doch zuerst an uns selbst gedacht. Denn keiner von uns ist ohne Sünde.

& neben all dem Egoismus auf der Welt - meinem eignem Egoismus.
Meinen Willen stets das Gute in jedem Menschen zu sehen und daran festzuhalten,
dass wir alle stets nur aus der Überzeugung handeln das Richtige zu tun - etwas tun.
Neben all dem - stelle ich mir manchmal die Frage was geschehen müsste.
Was genau müsste ein Mensch tun, damit ich ihm nicht mehr verzeihe.
Keine zweite oder dritte Chance. Kein gut gemeintes Wort mehr.
Null Sympathie. Kein Mitleid. Kein Verständnis. Nichts. Nichts von alle dem.
Was müsste geschehen - um vergessen zu lassen, dass keiner von uns perfekt ist.
Keiner ohne Sünde. Keiner ohne schlechte Gedanken.
Keiner ohne egoistische Taten.

Keiner von uns ist ohne Sünde - wie könnte ich es mir also anmaßen
jemand anders nicht zu verzeihen? Wo doch auch ich hoffe,
dass man mir verzeiht - immer wieder. Jedes mal aufs Neue.
Ganz einfach, weil ich nicht ohne Sünde bin.

Doch wie sieht Verzeihen eigentlich aus?
Die Angst vor erneuter Enttäuschung kann so lähmend sein.
Nicht zu wissen was der Gegenüber denkt und in Wirklichkeit plant.
Unsere eignen Gedanken wegen denen wir letztendlich beleidigt sind.
Neben all dem was uns im Weg steht - woher sollen wir da wissen wie das geht?
Wie das so wirklich gehen soll? Verzeihen - ganz rein und ohne Hintergedanken.
Ein paar liebe Worte. Eine wirklich gut gemeinte Umarmung. Eine Widergutmachung.
Doch kann das gehen? Kann das funktioneren?
Kann uns der Andere dazu bringen, dass wir ihm wirklich verzeihen?
Oder können das nur wir selbst? 

Ist es nicht so, dass es prinzipiell ganz egal ist was uns widerfährt?
Welche Worte es sind - die uns an den Kopf geworfen werden.
Welche Taten es sind die wir mit ansehen müssen.
Was uns selbst angetan wird.
Leid - soweit das Auge reicht. Schmerz - bis das Gefühl langsam nachlässt.
Ist es nicht so, dass es prinzipiell ganz egal ist was uns widerfährt?
& wieso ich das sage? Weil ich eins habe. Eine tiefe Überzeugung.
Es liegt bei uns.
Ganz egal - was uns oder den Menschen die wir so sehr lieben zustößt
 - gewollt oder nicht -
wir selbst - wir selbst entscheiden wie wir damit umgehen.
Mit dem Schmerz, mit der Enttäuschung, mit all den Gefühlen.
Wir selbst entscheiden, ob und in welchem Rahmen dies unser zukünftiges
Leben prägt. Wie sehr es uns beeinflusst.

Keiner von uns ist ohne Sünde. So etwas in der Art sagte ich erst heute
einer guten Freundin. Wir alle haben Dreck unter den Nägeln. Leichen im Keller.
& genug zum fegen vor der eigenen Haustür. Keiner von uns ist ohne Sünde.
Ich habe Sätze über meine Lippen gebracht, die ich bereue. Sehr.
Du hast etwas getan - wovon du wusstest, dass es einen Anderen verletzen würde.
Ihr habt Jemandem Unrecht getan. Wir alle haben gelogen, abgewägt und
doch zuerst an uns selbst gedacht. Denn keiner von uns ist ohne Sünde.

& wenn es doch nunmal so ist, dass keiner von uns ohne Sünde ist -
ja, es ist so - wieso verurteilen wir dann?
Keine harmlose Lästerei - nein Verurteilung.
Ein Urteil fällen und es nicht mehr aufheben.
Auf weg - verurteilt.

Gibt es denn wirklich soviel?
Soviel was /un)verzeihbar ist?

Freitag, 11. November 2016

Gulasch schmeckt immer

& jetzt lieg ich hier - 8 Monate später. Sehe in deine Richtung.
Die Augen geschlossen und doch - dafür brauche ich kein Tageslicht - denn jedes Detail
ist mir bekannt. Jedes Härrchen. Jede Pore. Augenfarbe. Lachfalten.
Dafür bauche ich kein Tageslicht - dafür brauche ich mein Herz.

Ein wenig mehr als acht Monate ist es nun her. Im Februar - am 18. Februar -
entschloss ich mich dazu alleine weiter zu machen. Alleine zu leben.
Seit 6 Jahren und 4 Monaten teilten wir ein Bett. Teilten wir ein Leben.
Doch damals musste ich mir eingestehen, dass die 180x200cm einfach zu groß geworden waren.
Zu groß für uns. Ich entschloss mich dazu zu gehen. Herz zu. Welt auf.
Ich war 24 Jahre alt. Hatte bisher nie allein gewohnt. & alles was mir schwer fiel
war im Grunde nie ein Problem - kein Prolem, weil du mir vieles
abgenommen hast - aus Liebe - Danke dafür. Ich war 24 Jahre alt.
Hatte bisher nie allein gewohnt. Mein rosa Zimmer zuhause bei Mama tauschte
ich ein gegen eine Wohnung für zwei. Nur du und ich.

& jetzt liege ich hier - 8 Monate später und denk zurück an all das
was geschehen ist - seit diesem Tag. Ich lasse meine Augen zu.
Sehe es an mir vorüber  ziehen all diese wundervollen Momente.
All meine Entscheidungen - auch jene die ich bereue - bis heute.
All das Lachen. All die Tränen. Jede Party. Jeder Abend allein.
Ich lass meine Augen zu. Und was ist das? Eine Träne rollt über meine
Wange und endet auf einem leichten Lächeln.

Ich musste raus. Fühlte mich nicht mehr zuhause - nicht mehr verstanden.
Zukunftsangst. Und um es gleich zu sagen -
NEIN, Liebe vergeht nicht -
so richtige Liebe mit Kribbeln im Bauch und diesem dämlichen Lächeln -
die verschwindet nie mehr. Doch stärker als die Lebe zu jemand
anderem muss manchmal etwas anderes sein. Die Liebe zu uns selbst.
Sich selbst zu lieben - seinem Bauchgefühl folgen - alles auf eine Karte setzen.
Ich musste raus. Und ich ging. Hinterließ eine
leere Wohnung - unsere Wohnung, die einst mit soviel Liebe gefüllt war.
Eine leere Wohnung und ein gebrochenes Herz.
Nein. Zwei. Es tut mir Leid.

& jetzt lieg ich hier - 8 Monate später.
Die Augen geschlossen - zurückdenken. Klar, dass sah alles so einfach aus. Kristin?
Die macht jetzt ihr eigenes Ding. Die steckt die Trennung super weg.
Die kommt gut alleine klar. Gefühle aus - Party on. Alles easy. Alles cool.
Klar - nach außen hin sah das so aus - das sollte es ja auch. Genau so war es gewollt.
Kein Zweifel. Kein mit mir hadern. So einfach - bis man abends
im Bett liegt - allein & es einen einholt.
Das Vermissen.

Ich musste raus. Ich ging raus. Umzug. Neue Freunde. Neues Leben.
Und ja ich hatte alles. Ich hatte alles und ich hatte nichts.
Nichts, weil nichts mein Herz ausfüllen konnte.
Weil niemand groß genug war um dieses Loch zu stopfen.
Weil ich niemanden groß genug werden lies.
Ich musste raus. Ich ging raus.
Hatte alles - und hatte nichts.

& jetzt lieg ich hier - 8 Monate später.
Öffne die Augen und verstehe, dass manches Zeit braucht.
Abstand muss kein Ende sein - Neuanfang. 
Öffne die Augen und verstehe, dass wenn ich mich in 10 Jahren
sehe es keine Alternative gibt - keine außer dich. Öffne die Augen
und sehe ein, dass manches ziehen muss um wirklich gut zu werden.
Öffne die Augen und weiß nun, dass Gulasch auch aufgewärmt noch schmeckt. 

& ich kann gar nicht anders als dich zu lieben - und dazu stehe ich - jetzt! Tobias.